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Soldaten mussten rohe Schweineleber essen

Edelweißkaserne in Mittenwald.
dpa
Edelweißkaserne in Mittenwald.

Offenbar werden bei den Gebirgsjägern entwürdigende Mutproben praktiziert. Nach dem Bericht eines Betroffenen müssen die Soldaten bis zum Erbrechen Alkohol trinken, rohe Schweineleber und Rollmöpse mit Frischhefe essen. Laut einem Sprecher der Bundeswehr gibt es solche Rituale schon seit den 80er-Jahren.

Bei der Bundeswehr gibt es einen neuen Fall von Missbrauch Untergebener. Ein betroffener Soldat beschwerte sich beim Wehrbeauftragten Reinhold Robbe (SPD) über entwürdigende Mutproben und Aufnahmerituale bei den Gebirgsjägern in Mittenwald. Danach mussten Soldaten bis zum Erbrechen Alkohol trinken und rohe Schweineleber essen, um in einer internen Hierarchie aufsteigen zu können.

Der zuständige Presseoffizier der 10. Panzerdivision in Sigmaringen, Peter Wozniak, sagte, die Beschwerde des Soldaten beziehe sich auf einen Vorfall aus dem Juni 2009. Er bestätigte den Eingang der Beschwerde bei dem in der Edelweiß-Kaserne in Mittenwald untergebrachten Gebirgsjägerbataillon 233. Seit 4. Februar liege den zuständigen Stellen die Eingabe des ehemaligen Soldaten zur Stellungnahme vor. Die Verantwortlichen hätten "unmittelbar mit den Ermittlungen begonnen".

Der Beschwerde zufolge soll es bei den Gebirgsjägern unter den Mannschaftsdienstgraden einen sogenannten „Hochzugkult“ geben, in den Soldaten erst nach drei Monaten als „Fux“ und nach Absolvieren verschiedener Aufnahmerituale aufsteigen können. Dabei würden Soldaten gezwungen, erhebliche Mengen Alkohol zu trinken sowie rohe Schweineleber und Rollmöpse mit Frischhefe zu essen. Die Frischhefe bewirke, dass sich die Betroffenen innerhalb kürzester Zeit heftig übergeben müssten. Auch würden Soldaten gezwungen, sich vor Kletterübungen vor den versammelten Kameraden zu entkleiden.

Wozniak sagte, bei der Beschwerde des Soldaten handele es sich um einen Vorfall, der sich vermutlich ohne Wissen von Vorgesetzten nur innerhalb von Mannschaftsdienstgraden abgespielt habe. Erniedrigungen durch Vorgesetzte seien nicht bekannt. Allerdings bestätigte er auch Untersuchungen von Fällen, in denen Vorgesetzte von den Vergehen gewusst haben sollen, aber nicht eingeschritten seien. Robbe sprach von einer „Angelegenheit von offenbar größerer Dimension“. Er bezeichnete die von den Soldaten verlangten Aufgaben als zum Teil „erniedrigend und herabwürdigend“. Offensichtlich würden diese Rituale schon seit Ende der 80er-Jahre praktiziert.

Ein Bundeswehrsprecher bestätigte, dass sich in der Truppe solche „Rituale seit Ende der 1980er-Jahre eingebürgert“ hätten. In den vergangenen Jahren hätten sie sich in ihrer Ausprägung und Intensität noch gesteigert. Die Bundeswehr nehme die Sache „sehr ernst“. Nach bisherigem Erkenntnisstand hätten die Erniedrigungen größtenteils außerhalb der Dienstzeit und weitgehend außerhalb der Kaserne stattgefunden. Daran waren nach Angaben Wozniaks auch mittlerweile aus dem Dienst ausgeschiedene Männer beteiligt. Sollten sich die Vorwürfe im Laufe der Ermittlungen bestätigen, würden disziplinarische und strafrechtliche Maßnahmen ergriffen. Die Bandbreite der möglichen Konsequenzen reiche von schriftlichen Zurechtweisungen bis hin zur Entlassung aus dem Militärdienst.

Der Bundeswehrstandort in Mittenwald war bereits 2006 in die Schlagzeilen geraten, nachdem Fotos aus Afghanistan aufgetaucht waren, auf denen Bundeswehrsoldaten mit einem Totenschädel posierten. Die Aufnahmen sollen auf einer Patrouillenfahrt 2003 entstanden sein.

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 10. Februar 2010, 15:08 Uhr

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